Wege des Aussterbens – Lebensraumzerstörung

Auch die Lebensraumzerstörung ist kein ganz neues Problem. Der vermutlich älteste Fall eines von Menschen dokumentierten Artenverlusts fällt in diese Kategorie: Silphium, ein Heilkraut, dessen Saft in der Antike mit Silber aufgewogen wurde und das nur in einer kleinen Region um Kyrene an der Küste des heutigen Libyens vorkam. Plinius der Ältere schreibt, dass die Ausweitung der Schafsweiden auf das Gebiet, in dem die Doldenblütler wuchsen, zum Verschwinden dieser geführt hätte. Der letzte entdeckte Halm sei 50 n. Chr. als fürstliches Geschenk an Kaiser Nero gesandt worden.

Aktuell ist dies der Hauptfaktor für den Verlust an Artenvielfalt. Ein Beispiel aus der Gegenwart ist der australische Warzenhonigfresser. Ab den 1940er-Jahren nahm der Bestand dieser Art rapide ab, sie wird als akut vom Aussterben eingestuft. Die Gründe dafür sind hauptsächlich Holzeinschlag und die Ausbreitung landwirtschaftlicher Flächen. Aufgrund des zurückgehenden Bestands haben Jungvögel in einigen Gebieten nicht mehr ausreichend erwachsene „Vorbilder“, von denen sie den Balz-Gesang übernehmen könnten. Dies hat dazu geführt, dass sich junge Männchen den arttypischen Gesang nur noch teilweise aneignen oder sogar den Paarungsgesang anderer Arten übernehmen, wodurch sie geringere Chancen auf eigenen Nachwuchs haben.