Vom Aussterben gerettet? – Auswilderung und Verhaltens-Rekonstruktion

Wenn Arten nur noch in Zoos und Tiergärten überleben, aber in der Wildbahn ausgestorben sind, kann die Auswilderung ungeahnte Probleme bedeuten. Der Waldrapp ist ein Beispiel, wie es trotzdem gelingen kann: Dieser gänsegroße Ibis-Vogel war bis zum 17. Jahrhundert von Mitteleuropa bis Nordafrika und im Nahen Osten sehr häufig anzutreffen, wurde dann aber als Delikatesse entdeckt. Durch Jagd und Lebensraumzerstörung (Ausweitung der Landwirtschaft) brach die Population zusammen. In den 1990ern lebten wild nur noch etwa 200 Vögel in Marokko, zurückgezogen in den Bergen. In Europa war die Art, die hier einst als Zugvogel die Alpen überquert hatte, ausgestorben.

Bei den ersten Auswilderungsprojekten mit Tieren aus Zoos stellte sich heraus, dass das Zugverhalten nicht instinktiv war, sondern von den Eltern erlernt werden musste. Da es keine wilden Elterntiere mehr gab, die die Routen kannten, begann ein einzigartiges Projekt: In Gefangenschaft aufgezogene Waldrapp-Küken wurden auf die Farbe Gelb konditioniert, die sie mit Futter und Spielzeug in Verbindung brachten. Dann wurde ihnen mit gelben Ultraleichtflugzeugen zunächst das Fliegen beigebracht und schließlich die sichersten Wege über die Alpen gezeigt. Heute leben wieder über 300 Vögel wild und als Zugvögel in Mitteleuropa.